Mit Kindern Geschichten schreiben


Wer sich schon einmal an einer Geschichte versucht hat, wird um die Schwierigkeiten wissen, die das Schreiben mit sich bringt. Mal will sich die Idee nicht einstellen, ein anderes Mal fehlt es an Kreativität, um sich richtig auszudrücken. Kinder kennen derartige Blockaden kaum. Warum also mit ihnen keine Geschichte schreiben?

Entspannte Umgebung schaffen

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Von Natur aus besitzen Kinder eine Menge Einfälle. Beim Spielen allein oder in der Gruppe setzen sie diese gern um. Solange sich Erwachsene diesem Treiben anpassen und selbst wieder "zum Kind werden", steht dem Fluss der kreativen Gedanken nichts im Wege. Sobald jedoch die Erwachsenen die Spielregeln allein bestimmen wollen beziehungsweise der mahnende Zeigefinger erhoben wird, fühlen sich die Kleinen gehemmt und sie verlieren die Lust. Dies trifft auch beim Erfinden und Aufschreiben von Geschichten zu. Deshalb ist es wichtig, eine möglichst entspannte Umgebung zu schaffen. Dies gelingt beispielsweise, wenn die Kinder nicht still an ihrem Schreibtisch sitzen müssen, sondern auf dem Bauch liegend oder auf dem Sofa lümmelnd schreiben dürfen. Es muss nicht zwangsläufig mucksmäuschenstill sein. Leise Musik im Hintergrund kann den Schreibfluss sogar beflügeln.

Mit dem Brainstorming beginnen

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Oft ist die Idee von der Geschichte vorhanden, doch die Details stehen noch nicht fest. Und die Zeitabfolge muss überdacht werden. Dann lohnt es, beim sogenannten Brainstorming alle Gedanken auf einem Blatt zu sammeln. Später werden diese geordnet und in Verbindung zueinander gebracht. Indem man sie auf dem Papier mit entsprechenden Linien verbindet, entsteht eine Übersicht. Nun ist erkennbar, welche Aspekte nicht direkt zum Fortgang der Geschichte beitragen. Diese streicht man.

Beim gemeinsamen Schreiben Ideen aller Beteiligten sammeln

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Einige Kinder gehen beim Erfinden von Geschichten voll aus sich heraus. Anderen fällt es schwer, sich im Beisein Gleichaltriger zu öffnen. Dennoch sollten auch sie ihren Beitrag zur Entstehung der Story leisten und nicht nur zuhören. Den Erwachsenen kommt die Aufgabe zu, den Redefluss der einen zu bremsen und den der anderen zu aktivieren. Dies gelingt unter anderem mit gezielten Fragen, beispielsweise: "Was meinst du, Paul, was dann passiert?"

Details erarbeiten

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Geht es darum, die Details der Geschichte auszuschmücken, sollte die kleinen Schriftsteller zeigen, statt zu erzählen. "Show, don't tell", lautet die Regel, die Autoren tagtäglich zu beachten haben. Ein Beispiel: Der Handlungsort soll eine Großstadt sein. Die Kinder schreiben nicht, dass die Geschichte in Hamburg spielt. Sie schreiben, dass Autos und Busse auf der Stadtautobahn drängeln, Menschen in Bürohäuser eilen und die Luft schon am Morgen nach Abgasen riecht. Kinder erarbeiten gern Details, man muss ihnen nur ausreichend Zeit dazu geben.

Spannung erzeugen

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Geschichten, deren Fortgang sich erahnen lässt, sind für die Leser langweilig. Auch das Schreiben macht den Kindern mehr Spaß, wenn sie ermutigt werden, sich Überraschungsmomente auszudenken. Steht dem Protagonisten beispielsweise ein bestimmtes Hilfsmittel zur Verfügung, um sein Ziel zu erreichen, sollte er es verlieren. Die Kinder müssen entscheiden: Was macht der Protagonist jetzt? Was passiert, wenn der Prinz die Prinzessin endlich gefunden hat, sie aber nicht auf blonde Männer steht? Darf er sie trotzdem küssen? Die Kinder dürfen ruhig ins Spinnen geraten. Über die beste Variante wird später abgestimmt.

Geschichte soll in sich geschlossen sein

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Romane für Erwachsene besitzen manchmal einen offenen Ausgang. Das hat der Autor so gewollt, vielleicht möchte er später eine Fortsetzung schreiben. Kindergeschichten sollten jedoch immer in sich geschlossen sein, damit die Leser nicht enttäuscht zurückbleiben. Auch für die Geschichtenschreiber macht es Sinn, der Story einen Abschluss zu geben. Dann nämlich haben sie den Kopf frei, sich neue Figuren auszudenken und diese auf andere Reisen zu schicken. Wer am Geschichtenschreiben mit Kindern Gefallen gefunden hat, findet weitere Hilfe in Fachliteratur, die im Buchhandel oder über das Internet angeboten wird.