Gutenachtgeschichten sind sehr wertvoll für Kinder und Eltern


Gutenachtgeschichten bereiten Kindern immer großen Spaß. Aber sie haben auch andere wichtige Funkionen: Sie stärken die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, lassen alltägliche Situation Revue passieren und fördern die Fantasie und die Kreativität der Kleinen. Darüber hinaus sind Gutenachtgeschichten auch hilfreich für die Eltern zur Lösung der kindlichen Probleme oder Sorgen, ohne dabei als Oberlehrer in Erscheinung treten zu müssen.

Gerade bei kleinen Kindern bietet es sich an, Gutenachtgeschichten als eine schöne Facette der Erziehung zu nutzen. Weder Kinder noch Erwachsene mögen "Standpauken", um etwas zu begreifen, und genau aus diesem Grunde sind Märchen oder Fabeln schon vor langer Zeit entstanden, um bildhaft Situationen gerade zu rücken, ohne jemand persönlich anzugreifen. Märchen sind, so gesehen, eine wertvolle Ergänzung der Rhetorik.

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Viele Eltern suchen nach guten Kinderbüchern. Im Internet finden sie sogar kostenlose Gutenachtgeschichten. Was aber bei unseren Kindern am besten ankommt, das sind selbst erfundene Charaktere, die "zufällig" so manche Ähnlichkeit, was auch schon der Name der Figur suggeriert, mit Onkel Paul, Tante Olga oder Opa Wilhelm aus dem direkten kindlichen Umfeld aufweisen.

Wir möchten, dass sich alle Eltern trauen, in die Rolle des Erzählers einzutauchen. Sie werden ungeahnte (schauspielerische) Talente bei sich selbst entdecken, versprochen, und das macht richtig Spaß. Unsere Tipps dazu:

  • Eine ruhige, etwas tiefere Stimme ansetzen
  • Wo möglich, mit der Stimme eine Spannung aufbauen
  • Mit bewussten Pausen arbeiten
  • Die Erzählung (langsam) logisch aufbauen
  • Mit den richtigen Betonungen arbeiten
  • Eine einfache, überschaubare Handlung ohne große Abschweifungen
  • Die Stimme etwas verstellen für unterschiedliche Akteure in der Geschichte

Freies Erzählen im Dialog mit dem Kind

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Das "Drehbuch" für die heutige Gutenachtgeschichte müssen wir uns nicht ganz allein aus den Fingern saugen, wenn wir es in Zusammenarbeit mit unserem Kind entstehen lassen. Dabei lässt sich zum Beispiel ein aktuelles Erlebnis des Kindes im Kindergarten sehr gut gemeinsam verarbeiten. So fühlt sich das Kind aktiv mit einbezogen, und seine Plüschtiere übernehmen die Rollen von Sven, Heike und Ilona aus dem Kindergarten. Zwischendurch darf das Kind auch Fragen stellen und damit die Geschichte im Verlauf und vor allem deren Ende beeinflussen.

Dabei darf das Kind auch selbst eine andere Rolle spielen, zum Beispiel die des Lehrers, der einen unartigen Schüler zurechtweisen muss. Sich spielerisch in die Situation eines anderen Menschen zu versetzen, ist sehr wichtig zur Erlangung von Empathie, die heute so vielen Menschen fehlt.

Eine Kostprobe unserer Geschichten

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Stellen Sie sich vor, Ihr Kind kommt sehr schlecht gelaunt aus dem Kindergarten nach Hause, denn anstatt des bereits versprochenen Zoobesuchs werden die Kinder morgen nur einen kleinen Ausflug zur nahe gelegenen Wiese machen. An diesem Abend könnte eine Geschichte der folgenden Bauart das Gemüt ihres Kindes wieder aufhellen und es in einen schönen Traum überführen:

Es war schon am Abend, als Paulchen bereits artig und geduldig in seinem Bettchen auf den Gutenachtkuss seiner Mama wartete. Als sie endlich leicht verspätet hereinkam, duftete sie nach Keksen. "Warum riechst Du heute so lecker?" fragte Paulchen, und Mama lächelte gütig bei ihrer Antwort: "Eigentlich sollte es ja eine Überraschung sein. Ich habe gerade Deine Lieblingskekse gebacken für Dich und Deine Freunde morgen für Euren Ausflug."

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"Ach, weißt Du Mama, wir gehen doch nur auf eine große Wiese, gar nicht weit von unserem Kindergarten. Ich hätte lieber einen richtigen Ausflug zum Zoo gemacht, aber eine Wiese ist doch nur wie ein langweiliger grüner Teppich."
"Na, da irrst Du Dich aber, Paulchen", erwiderte seine Mama. "Jetzt, da der Frühling in vollem Gange ist, und alle Tierchen nach ihrem langen Winterschlaf erwachen, kann so eine einfache grüne Wiese sogar viel interessanter sein als jeder Zoo. Wenn wir so klein wie Deine Lego-Männchen wären, dann würden wir jetzt in der Wiese total spannende Abenteuer erleben."

Kaum war Mama aus dem Kinderzimmer verschwunden, rutschte Paulchen auch schon in einen süßen Schlaf. Plötzlich war da ein helles Licht. "Aus dem Weg", meckerte ihn eine schnarrige Stimme an, "lass mich durch." Im selben Moment rollte eine riesige braune Kugel direkt auf Paulchen zu. "Wo bin ich? Und wer spricht mit mir?", fragte er, als er einen großen Schritt zur Seite machte. Da trat ein dunkelbrauner, metallisch schimmernder Käfer in etwa so groß wie Paulchen hinter der Kugel hervor. "Ich bin George, der Mistkäfer. Warum stehst Du mir im Wege herum? Siehst Du denn nicht, dass ich hier durch muss?", fragte der Käfer aufgeregt, "Hast Du Dich verlaufen, wo kommst Du überhaupt her? Habe Dich hier noch nie gesehen."

"Ich bin doch Paulchen und wohne da drüben in dem großen weißen Haus mit dem braunen Dach. Und hinter unserem Haus haben wir doch noch den Stall mit zwei Pferden, das Eine ist dunkelbraun und hat eine kurze Mähne, und das Andere ist weiß und hat eine lange weiße Mähne".

"Ja, ja, dann weiß ich schon, wo Du wohnst, ich hole da immer meine Mistkugeln aus dem Stall", sagte der Käfer, "Komm mit mir mit, kannst ruhig bisschen mit anpacken, ich zeige Dir, wo es lang geht."

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"Nicht so schnell. Wisst Ihr denn nicht, was heute auf der Wiese los ist?" Als Paulchen und George verdutzt nach oben schauen, sehen sie an einem Grashalm eine große schwarze Fliege sitzen, die gerade genüsslich ihre eigentlich ganz sauberen Vorderbeinchen putzt. "Ich bin übrigens Rosi", sagte die Fliege. "Heute ist alles in Aufruhr, denn die Ameisen treten gerade ihre neuen Pfade platt. Dabei sollte sie jetzt lieber niemand stören. Ihr könnt ja mal meine Freundin Marie, den Marienkäfer fragen". "Ja, das stimmt, die Ameisen sind heute übelst gelaunt, das kann ich wohl bestätigen. Wer nicht fliegen kann, sollte sich lieber schnell verstecken", züngelte Marie etwas gelangweilt.

"Aber mein Haus ist weit weg, und fliegen kann ich nun mal nicht", sagte Paulchen etwas verängstigt. "Ach, lass nur, ich habe eine Idee", rief Rosi überzeugt aus. "Drüben am Teich habe ich einige Großlibellen herumtratschen gesehen, die langweilen sich wie immer und sind froh, wenn sie mal was zu tun kriegen." Kurz, nachdem Rosi verschwunden ist, kam auch schon Brummi die Großlibelle angedreht und flog mit Paulchen völlig gefahrlos über die vielen Ameisen-Autobahnen, das war ein Spaß.

Plötzlich hörte er Mamas Stimme: "Aufwachen Paulchen, Dein Ausflug wartet auf Dich, den willst Du doch nicht verpassen?". Paulchen machte sich schnell fertig, und als Mama ihn zum Kindergarten brachte, sagte er noch: "Mama, heute wird bestimmt ein schöner Tag, denn auf der Wiese ist wirklich viel los. Hoffentlich finde ich meine neuen Freunde George, Marie, Rosi und Brummi, ich möchte ihnen paar Kekskrümel schenken."

"Na, ich glaube, Du hast wohl heute nicht genug geschlafen, mein Lieber", sagte Mama zum Abschied und schüttelte noch mit dem Kopf.....